Mrkvancová-Kirmes in Polná: Wie ein traditionelles tschechisches Volksfest aussieht
Wir haben die Mrkvancová-Kirmes in Polná besucht. Mrkvance, eine Burg, ein Handwerksmarkt, jede Menge Stände und Karussells – ein Ausflugstipp im September.
Auf der Mrkvancová-Kirmes in Polná waren wir noch nie. Wir hatten aber schon mehrmals davon gehört. Und weil Polná von Jihlava aus wirklich nur einen Katzensprung entfernt liegt, haben wir uns gesagt, dass wir uns das dieses Jahr endlich anschauen. 🚗
Wir sind am Samstag kurz nach neun Uhr morgens losgefahren und parkten noch vor zehn Uhr auf dem empfohlenen Park-and-Ride-Parkplatz auf dem Gelände der Firma Swoboda vor Polná. Die Fahrt mit dem Auto dauerte etwa zwanzig Minuten. Von dort fuhr ein Touristenzug mit drei Wagen direkt bis zum Schloss. Und ich muss sagen, das Interesse daran war wirklich groß. Der Zug war völlig voll. Eine Fahrt kostete 30 CZK pro Person und dauerte etwa zehn Minuten. Auf dem Weg kamen wir an einem weiteren Parkplatz vorbei, der etwas näher an der Stadt lag, aber zu dem Zeitpunkt parkte dort noch niemand.
Der Weg nach Polná: Parkplatz und Touristenzug
Wann findet die Mrkvancová-Kirmes in Polná statt?
Vielleicht lohnt es sich zuerst zu erklären, woher dieser eigenartige Name überhaupt stammt. Eine Kirmes (tschechisch „pouť”) hatte bei uns ursprünglich vor allem eine religiöse Bedeutung und wurde am Festtag des Schutzpatrons eines Ortes gefeiert. Im Laufe der Zeit kamen Märkte, Essen, verschiedene Attraktionen und Unterhaltung hinzu – also im Grunde die Form der Kirmes, wie wir sie heute kennen. Die Polnaer Kirmes ist mit dem heiligen Ligurius, dem Stadtpatron, verbunden und fällt traditionell auf den zweiten Sonntag im September.
Genau in diese Zeit fiel im Gebiet um Polná auch die Karottenernte, denn Karotten wurden hier früher in großem Umfang angebaut. Wann genau die Karotte zum Symbol der Kirmes wurde, ist nicht genau belegt, aber nach und nach gehörten die Mrkvance und auch über Haustüren gehängte Karottenbündel untrennbar dazu. 2026 fand die Mrkvancová-Kirmes vom 11. bis 13. September statt.
Burg und Schloss Polná: Wir beginnen mit der Besichtigung
Der Zug setzte uns direkt am Areal von Burg und Schloss ab, und genau dort begannen wir unsere Erkundung der Kirmes. Die Geschichte der Burg ist viel älter, als ich es dem äußeren Erscheinungsbild nach erwartet hätte. Die Anfänge der hiesigen Burg reichen wahrscheinlich bis in die zweite Hälfte des 12. oder die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück, und der erste erhaltene schriftliche Beleg über die Burg selbst stammt aus dem Jahr 1356. Im heutigen Areal verschmelzen gotische, Renaissance- und Barockelemente. 🏰
Wir gingen aber zuerst zum Informationszentrum und zur Kasse, wo uns eine Dame in historischem Kostüm sehr bereitwillig erklärte, was an diesem Tag wo stattfand. Wir entschieden uns zunächst für die Ausstellung alter Handwerke und den Kaufmannsladen. Während der Kirmes war dieser Bereich zusammen mit den historischen Sälen im ersten Stock gegen freiwilligen Eintritt zugänglich.
Eingang zum Schloss und Innenhof
Und dieser Teil hat mir wirklich gut gefallen. Dort waren Gegenstände ausgestellt, die mit verschiedenen alten Handwerken verbunden sind – vom Metzger über den Schuster und Bäcker bis hin zur Holz- und Stoffverarbeitung. Zur Ausstellung gehörte auch ein alter Kaufmannsladen. Beim Blaudruck erklärte uns eine Dame in historischer Kleidung sehr anschaulich, wie der Stoff auf diese Weise hergestellt wurde. Und dieses Thema war mir ziemlich nah. Ich habe nämlich eine Fachmittelschule für Bekleidung in Strážnice besucht, und genau dort waren wir damals mit der Schule auf einer Exkursion in einer Blaudruckwerkstatt. So kam mir das nach Jahren wieder in den Sinn. 💙
In Strážnice ist bis heute eine der traditionellen Blaudruckwerkstätten in Betrieb, und die Blaudrucktechnik selbst steht seit 2018 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Ausstellung alter Handwerke und der Kaufmannsladen
Was sind Mrkvance und wie schmecken sie?
Mrkvance sind ein traditionelles Hefegebäck mit einer süßen Füllung aus geraspelten Karotten. Je nach Rezept kommen Zucker und Gewürze in die Füllung, und einzelne Familien haben natürlich auch ihre eigenen Rezepte.
In Vysočina gedieh der Obstanbau wegen des raueren Klimas nie so gut wie in wärmeren Landesteilen. Dafür wurden Karotten rund um Polná in großem Stil angebaut, und ausgerechnet die Erntezeit fiel mit der hiesigen September-Kirmes zusammen. Eine Rolle könnte auch gespielt haben, dass Zucker früher eine teure Ware war und für gewöhnliche Landhaushalte bei Weitem nicht so verfügbar war wie heute. Zum Süßen wurden daher auch natürlich süße Zutaten verwendet, darunter eben auch Karotten. 🥕
Wie genau der erste Polnaer Mrkvanec entstand, lässt sich heute wohl nicht mehr klären. Sicher ist aber, dass aus dem Hefegebäck mit gewürzten, geraspelten Karotten nach und nach eine lokale Spezialität wurde, ohne die man sich die Mrkvancová-Kirmes in Polná heute kaum vorstellen kann. Die Einheimischen haben so aus der Not eine einzigartige regionale Spezialität geschaffen.
Als wir wieder auf den Innenhof kamen, konnten wir natürlich nicht von der Mrkvancová-Kirmes wegfahren, ohne Mrkvance probiert zu haben. Gleich an einem der ersten Stände verkaufte sie eine Dame. Und ausgerechnet diese Mrkvance trugen die Bezeichnung Regionales Lebensmittel der Region Vysočina, die sie genau in diesem Jahr, 2026, erhalten haben. Hergestellt werden sie in Polná von Frau Jitka Drápelová. Ich war wirklich gespannt, wie so etwas schmeckt. Und für mich schmeckte das Ganze nach Apfelstrudel. Sowohl mir als auch meinem Mann hat der Mrkvanec also geschmeckt. 🙂
Die Karotte hätte ich darin vielleicht gar nicht erkannt. Es war süß, interessant und lecker. Als ich die Dame fragte, ob ich die Mrkvance fotografieren dürfe, wollte sie wissen, warum. Also sagte ich ihr, dass ich einen Blog schreibe und einen Artikel über die Kirmes schreiben möchte. Und sie wollte sofort die Adresse des Blogs von mir, weil sie auch gerne reist. Vielleicht liest sie diesen Artikel also am Ende wirklich.
Traditionelle Mrkvance
Handwerksmarkt auf der Burg und Holzspielzeug
Auf dem Innenhof gab es mehrere Handwerksstände, Sitzgelegenheiten, Kaffee und kleine Imbisse. Am meisten hat mich aber ein Stand mit Holzarbeiten fasziniert. Dort verkaufte ein älterer Herr – bei uns in Mähren würde ich wohl einfach „Onkel” sagen. 🙂
Er kam direkt aus Polná und stellte all die Holzspielzeuge und kleinen Gegenstände selbst her. Er sagte, das sei sein Hobby, und wenn er den Preis für ein Spielzeug danach bemessen würde, wie viele Stunden er wirklich für die Herstellung gebraucht habe, könnte es sich kein Kunde leisten. Und beim Anblick der Spielzeuge musste ich sofort an meine eigene Kindheit denken, weil ich früher auch verschiedene Holzspielzeuge hatte. Nur hat es mich später geärgert, dass ich vergessen hatte, ihn nach seinem Namen zu fragen.
Ich kaufte ihm wenigstens eine kleine Holzkleinigkeit ab, so einen geschnitzten Baum, um seine Arbeit wenigstens ein bisschen zu unterstützen. Gleich daneben fiel mir noch ein weiterer Stand mit Puppen und Figuren aus Maisblättern auf – Šustí. Die Herstellung von Figuren daraus gehört zu den traditionellen Volkshandwerken.
Handwerksmarkt auf der Burg
Burggraben, Greifvögel und Blick auf den Teich Peklo
Danach gingen wir hinter die Burg spazieren, wo sich eine Art kleiner Garten befand – eigentlich war es der Burggraben (Parkan). Er ist frei zugänglich, es gibt dort Volieren mit Greifvögeln, eine Aussichtsstelle und auch sehr schöne geschnitzte Holzbänke. Und gleich neben der Burg liegt der Teich Peklo, sodass der ganze Ort am Wasser sehr hübsch wirkt.
Burggraben mit Greifvögeln und Teich Peklo
Führung durch die Burg Polná und der schöne Kunštát-Saal
Um elf Uhr begann gerade eine Burgführung, und zwei Damen in historischen Kostümen kamen dazu. Also schlossen wir uns ihnen an und gingen mit ihnen ins Obergeschoss. Die junge Frau, die den Besuchern dort zur Seite stand, war sehr sympathisch und wusste wirklich viel über Polná und die Burg selbst. Sie beantwortete bereitwillig alle Fragen. Sie trug ein historisches Kostüm und sollte Kateřina von Waldstein darstellen, die Erbin der Herrschaft Polná und Ehefrau von Zachariáš von Hradec, der Polná dank der Heirat im Jahr 1553 erhielt.
Interieur des Kunštát-Saals und Damen in historischen Kostümen
Am meisten hat mich aber ein wunderschöner Saal fasziniert. Ich habe ihn in Gedanken sofort „den grünen” getauft. 🙂
In Wirklichkeit ist es der Kunštát-Saal, und die wunderschönen grünen Ornamente an seinen Wänden sind Renaissance-Rankenwerk aus dem Umbau der Jahre 1585–1586. Heute finden in genau diesem Saal auch Trauungen statt.
Innenräume des Schlosses in Polná
Überall fielen mir auch aufgestellte Marionetten auf, und zuerst hatte ich keine Ahnung, warum es davon so viele gab. Erst später erfuhr ich, dass das Jahr 2026 für die Puppenspieler in Polná etwas Besonderes ist, weil das örtliche Puppentheater dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.
Insgesamt haben uns die Innenräume der Burg wirklich überrascht. Von außen hätte ich überhaupt nicht erwartet, was sich alles im Inneren verbirgt.
Historische Sammlungen und Kleinigkeiten
Stände auf der Mrkvancová-Kirmes: vom Schloss bis zum Husovo-Platz
Nach der Führung machten wir uns vom Schloss aus in Richtung Zentrum auf. Und hier begann die eigentliche Kirmes. 🙂
Die Stände zogen sich vom Schlossareal über das Zentrum bis zum Husovo-Platz. Und so viele Stände hatte ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Es gab dort fast alles Mögliche, und zeitweise wusste ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte. Es hat mich sehr gefreut, dass es dort auch viele Produkte aus Vysočina und von kleineren Herstellern gab.
Stände mit Essen und Leckereien
Natürlich fehlten auch die klassischen Kirmeswaren nicht, die man fast von jedem Markt kennt. Mich interessierten zum Beispiel Bücher, Bonsais, Lilien, Keramik, verschiedene Taschen oder wunderschöne Holzsachen. Ich sah dort zum Beispiel kleine Holzstühlchen mit geschnitzten Ornamenten und Motiven und noch viele andere Dinge, die ihr auf den Fotos sehen werdet. Diesmal habe ich aber fast nichts gekauft. Ich hatte nur einen kleinen Rucksack dabei und wollte nicht mehrere Stunden lang alles mit mir herumtragen. Also habe ich lieber nur geschaut. 🙂
Stände mit handwerklichen Produkten
Wie viele Menschen waren auf der Mrkvancová-Kirmes?
Wenn ich später Fotos auf den Blog stelle, fragen mich die Leute ziemlich oft: “Und da waren keine Menschen?”
Doch. 😀
Auf der Mrkvancová-Kirmes waren wirklich sehr viele. Ich versuche nur, wenn es geht, so zu fotografieren, dass nicht zu viele Menschen auf den Bildern sind. Manchmal warte ich einfach kurz, bis eine Stelle für ein paar Sekunden frei wird, und erst dann fotografiere ich.
Falls euch meine Fotos von der Kirmes also verdächtig leer vorkommen, liegt das ganz sicher nicht daran, dass wir dort allein gewesen wären. 🙂
Essen, Karussells und Fahrgeschäfte in Polná
Am Ende begann bereits der klassische Kirmesteil mit Imbissständen und Fahrgeschäften. Es gab wirklich viele Süßigkeiten und natürlich auch Wespen, die darum herumflogen. Dazu klassisches Kirmesessen – Langosch, Kartoffelpuffer, Würstchen, gebratene Nudeln mit Gemüse oder Fleisch und andere frittierte Leckereien. Ein Mann bereitete dort Fleisch direkt über dem Feuer zu, und das roch wirklich herrlich.
Wir haben uns letztlich aber nichts gegönnt. Im Rucksack hatten wir etwas zu trinken, und keiner von uns beiden hatte gerade großen Hunger. Und weil wir wussten, dass wir bald wieder zu Hause in Jihlava sein würden, sagten wir uns, dass wir langsam zum Schloss zurückgehen.
Natürlich gingen wir noch an den Karussells vorbei. Davon gab es wirklich viele, und mir fielen sogar zwei Autoscooter auf – also Bahnen mit Elektroautos. 🎠
Husovo-Platz, Rathaus und Kirmesattraktionen
Lohnt sich ein Besuch der Mrkvancová-Kirmes in Polná?
Der Touristenzug hatte über Mittag eine Pause von 12 bis 13 Uhr, sodass wir gegen Viertel nach eins mittags wieder vom Schloss zum Parkplatz zu unserem Auto fuhren. Und genau wie am Morgen war der Zug völlig voll. Nach wenigen Minuten waren wir wieder beim Auto und konnten nach Hause aufbrechen.
Die Mrkvancová-Kirmes in Polná hat mich wirklich angenehm überrascht. Ich hatte eine klassische Kirmes erwartet, aber am Ende war es ein viel abwechslungsreicherer Ausflug – eine historische Burg, altes Handwerk, Blaudruck, handgefertigtes Holzspielzeug, Mrkvance, eine riesige Zahl an Ständen und auch klassische Kirmesattraktionen.
Und gerade diese Verbindung aus Geschichte, Tradition und ganz gewöhnlichem Kirmesvergnügen hat mir wohl am besten gefallen.
Wenn ihr noch nie auf der Mrkvancová-Kirmes wart, kann sie durchaus ein schöner Tipp für einen September-Ausflug in Vysočina sein. Wir waren froh, dass wir dieses Jahr endlich hingefahren sind. 🙂
Und vielleicht kommen wir irgendwann wieder hierher zurück.
Kennt ihr die Mrkvancová-Kirmes in Polná? Und habt ihr schon einmal Mrkvance probiert? 🙂
Gut zu wissen
Wann findet die Mrkvancová-Kirmes in Polná statt?
Die Mrkvancová-Kirmes findet traditionell am zweiten September-Wochenende statt. 2026 fand sie vom 11. bis 13. September statt. Der genaue Termin und das Programm sollten vor dem Besuch aber immer noch einmal überprüft werden.
Was sind Mrkvance?
Mrkvance, auch Mrkvánky genannt, sind ein traditionelles Hefegebäck mit einer süßen Füllung aus geraspelten Karotten. Sie gehören zur Mrkvancová-Kirmes in Polná einfach dazu.
Wo kann man während der Mrkvancová-Kirmes parken?
2026 haben wir den empfohlenen Park-and-Ride-Parkplatz auf dem Gelände der Firma Swoboda in der Jihlavská-Straße genutzt. Von dort fuhr ein Touristenzug ins Zentrum. Die Parkorganisation kann sich aber jedes Jahr ändern, deshalb empfehle ich, sich vor der Fahrt über die aktuellen Informationen zu informieren.
Was gibt es auf der Mrkvancová-Kirmes zu sehen?
Neben zahlreichen Ständen und Fahrgeschäften könnt ihr die Burg und das Schloss Polná, Museumsausstellungen, einen Handwerksmarkt besuchen oder traditionelle Mrkvance probieren.
Ist die Mrkvancová-Kirmes auch für Kinder geeignet?
Ja. Zur Kirmes gehören Karussells, Autoscooter und weitere Fahrgeschäfte. Für Kinder können auch der Touristenzug oder ein Besuch der Burg interessant sein.