Mittwoch, 29. Juli 2026
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Die Stadt, in der Zeichentrickfiguren lebendig wurden: Ein Ausflug ins polnische Bielsko-Biała

Ein Ausflug ins polnische Bielsko-Biała, das man „Klein-Wien“ nennt – Jugendstilarchitektur, ein historischer Marktplatz und ein Märchenpfad mit Statuen von Bolek und Lolek.

Die Stadt, in der Zeichentrickfiguren lebendig wurden: Ein Ausflug ins polnische Bielsko-Biała

Ich entdecke wahnsinnig gern neue Orte und bin für jeden Ausflug, den ich machen darf, sehr dankbar. Ich glaube, dass man Schönheit fast überall finden kann und dass jede Stadt ihren eigenen, unverwechselbaren Zauber hat. Unser nächster Ausflug führte uns nach Polen, genauer gesagt in die faszinierende Stadt Bielsko-Biała. Sie wird oft „Klein-Wien“ genannt, dank ihrer wunderschönen historischen Gebäude aus der Zeit Österreich-Ungarns, die von bedeutenden Wiener Architekten entworfen wurden. Von der tschechischen Grenze, konkret von Český Těšín, sind es nur knapp 40 Kilometer.

Die Fahrt aus Jihlava und eine günstige Unterkunft

Von Jihlava aus hatten wir eine rund 320 Kilometer lange Fahrt vor uns. Wir waren mit der Familie unterwegs, in zwei Autos. Mit Pausen für Kaffee, zum Beinevertreten und für einen Snack hat es uns etwa fünf Stunden gekostet. Die Fahrt verlief ziemlich angenehm, aber nach der Ankunft waren wir alle von der langen Autofahrt schon ziemlich müde. 🚗

Die Unterkunft haben wir über Booking gefunden, am Rande von Bielsko-Biała, in Apartments in der Straße Bliska 33. Wir brauchten Parkplätze für zwei Autos und einen guten Preis, und genau das haben wir gefunden. Die Lage war unglaublich ruhig, und ein großes Plus war der private Parkplatz direkt am Objekt, im Preis inbegriffen. Wir checkten ein, aßen zu Abend und sind dann nirgendwohin mehr gegangen, vor allem auch, weil die Großeltern mit uns unterwegs waren.

Erkundung der Stadtmitte

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, wollten wir uns die Innenstadt ansehen. Das Wetter war zwar nicht gerade sonnig, aber das störte uns überhaupt nicht, denn für die Erkundung neuer Orte ist kühleres Wetter eigentlich ideal. Damit wir nicht mit dem Auto in die Innenstadt fahren und umständlich einen Parkplatz suchen mussten, nahmen wir einen Bolt. Der ist in Polen wahnsinnig günstig – innerhalb weniger Minuten kamen zwei Autos und setzten uns direkt im Herzen der Stadt ab, sodass wir gleich losziehen konnten, um ihre Schönheiten zu entdecken.

Als Erstes sahen wir eine wirklich hohe Kirche mit einem riesigen Turm. Es ist die Sankt-Nikolaus-Kathedrale (Katedra św. Mikołaja), deren Turm über 60 Meter in die Höhe ragt.

Von dort gingen wir zum Hauptplatz (Rynek), wo mir sofort ein alter Steinbrunnen auffiel. Er wirkt geheimnisvoll und trägt ein schmiedeeisernes Gitter. Der Brunnen steht dort aber nicht nur zur Zierde – er wurde bei archäologischen Ausgrabungen von einem Expertenteam entdeckt und stammt noch aus dem Mittelalter, als er als eine der wichtigsten Wasserquellen für die Altstadt diente. 💧

Eine Stadt der Märchen, in der Zeichentrickfiguren lebendig werden

Beim Spaziergang durch die Stadt fingen an jeder Ecke verschiedene interessante Statuen an, mich zu faszinieren, und ich fragte mich, was das alles wohl bedeutet. Erst später erfuhr ich die ganze wunderbare Geschichte dahinter. Bielsko-Biała ist nämlich die Wiege des polnischen Zeichentrickfilms. 1947 entstand hier das berühmte Studio Filmów Rysunkowych (Trickfilmstudio), in dem die bekanntesten polnischen Zeichentrickserien entstanden, die Generationen von Kindern in ganz Europa begeisterten. Zum Beispiel die berühmten Märchenfiguren Bolek und Lolek.

Die Stadt hat einen wunderbaren Märchenpfad (Bajkowe Bielsko-Biała) geschaffen, und so trifft man beim Spazierengehen direkt in den Straßen auf bekannte Figuren. Als Erstes trafen wir auf den Hund Reksio bei einem Brunnen. Etwas weiter am Wasser amüsierte uns der Jäger Pampalini, die berühmte Figur aus dem Zeichentrickfilm über den tollpatschigen Tierfänger, gerade dabei, ein bronzenes Nilpferd zu überreden.

Auf einem kleinen Platz mit einem Brunnen konnten wir eine witzige Statue eines Frosches im Frack nicht übersehen, der Flöte spielt und sich mit einem Fuß auf ein Fässchen stützt. Und gleich daneben saß ein weiterer Frosch mit einem Regenschirm. Die stehen dort nicht zufällig – sie stehen nämlich direkt gegenüber dem berühmten Jugendstilhaus Kamienica pod Żabami (Haus unter den Fröschen), in dem früher eine bekannte Weinstube war. 🐸

Was mir etwas weiter noch auffiel, war der Wawel-Drache mit dem Koch Bartolini aus dem berühmten Märchen Die Entführung von Baltazar Gąbka. Er steht direkt neben seinem stählernen Auto, in das man am liebsten gleich einsteigen würde. Ganz in der Nähe kann man sich sogar auf eine Bronzebank direkt neben Lechosław Marszałek setzen, dem Chefregisseur und geistigen Vater des Hundes Reksio. Und neben ihm ist auch eine Filmrolle in die Bank eingeprägt. 🐶

Ein silbernes Buch im Park und die große Geschichte der Stadt

Neben den Märchen sind wir etwas weiter im Park auf etwas unglaublich Interessantes gestoßen – ein riesiges silbernes Buch, das auf dem Boden liegt und auf den ersten Blick wie ein aufgeklapptes historisches Dokument aus Metall aussieht. Dieses Gedenkdenkmal liegt dort als Ehrung für die Einwohner der Stadt und erinnert an den enormen technischen und menschlichen Fortschritt von Bielsko-Biała in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt, wie die Menschen hier Gas, Elektrizität, eine Wasserleitung, eines der modernsten Telefonnetze ihrer Zeit in der Region und sogar eine elektrische Straßenbahn einführten. Es ist ein bewegendes Denkmal für alle, die an Fortschritt und menschliche Arbeit glaubten.

Wenn man dazu noch die wunderschönen großflächigen Wandmalereien an den Häusern (Murals) zählt, wie etwa das riesige schwarz-weiße Mural eines Góralen-Paares mit einem Schaf, wird einem klar, wie viel Kunst diese Stadt birgt.

Bielsko-Biała hat mir gefallen und hat eine wunderbare Atmosphäre, Geschichte und ihren eigenen märchenhaften Zauber. 🙂

Und wohin ging es am nächsten Tag mit unserem Ausflug weiter? Das erfahrt ihr im nächsten Artikel. 😉