Ledeč nad Sázavou: Was man in der Stadt unter der Burg sehen kann
Ausflug nach Ledeč nad Sázavou: Burg auf dem Felsen, Hus-Platz mit Mariensäule, Jaroslav-Foglar-Museum, Spaziergang an der Sázava und die Kirche St. Peter und Paul.
Manchmal genügt ein ganz gewöhnlicher Einkauf, und daraus wird ein schöner Ausflug. Genau so war es bei unserem Besuch in Ledeč nad Sázavou. 🙂
Mein Mann und ich waren unterwegs zu einer Frau, bei der wir geschälte Walnüsse kaufen wollten. Sie wohnte unweit von Ledeč nad Sázavou, und da wir in dieser Stadt noch nie gewesen waren, kam uns der Gedanke, dass wir gleich einmal vorbeischauen könnten. So fuhren wir nach dem Nusskauf einfach weiter.
Schon bei der Einfahrt in die Stadt fesselte uns der Anblick der mächtigen Burg, die hoch auf einem Felsen über der Sázava thront. Ich muss sagen, das war wirklich eine schöne Einladung, die Stadt zu besuchen.
Parken am Platz und überraschend viel Verkehr
Wir fuhren direkt ins Zentrum zum Hus-Platz. Wir hatten Glück, denn der letzte freie Parkplatz wartete auf uns, und zwar gleich gegenüber dem schönen historischen Gebäude des örtlichen Gymnasiums.
Der Parkpreis hat uns angenehm überrascht. Zur Zeit unseres Besuchs kostete die erste Stunde nur 5 CZK und jede weitere 10 CZK. Solche Preise sieht man heute selten. Was mich aber noch viel mehr überrascht hat, war der starke Autoverkehr. Auf dem recht kleinen Platz waren wirklich sehr viele Autos unterwegs. Zeitweise bildeten sich kleine Staus, manche Autos hupten sogar einander an, und insgesamt war es dort viel lebhafter, als ich erwartet hätte. Beim Überqueren der Straße mussten wir deshalb richtig aufpassen. Es war eigentlich das Einzige, was mir an Ledeč ein wenig missfiel. Auf einem so historischen Platz würde man sich die Häuser ringsum gern in Ruhe ansehen, aber der Verkehr hat uns dabei ein bisschen gestört.
Historisches Gebäude am Hus-Platz und die Stadtkarte
Markt auf dem Platz und die ersten Souvenirs
Auf dem Platz fand gerade ein Markt statt, und so beschlossen wir, einmal durchzuschlendern. Gleich fiel uns ein Stand mit Obst und Gemüse auf. Und was hat mich angenehm überrascht? Der Großteil der angebotenen Ware stammte aus Tschechien. Das hat mir wirklich gefallen. Wir kauften etwas Obst und Gemüse, zum Beispiel große tschechische Pflaumen, Birnen für die Schwiegermutter und auch Meerrettich. Und an einem weiteren Stand besorgten wir uns noch Socken aus Schafwolle. Wir hatten also noch nicht einmal richtig mit der Stadtbesichtigung begonnen und schon eingekauft. 🙂
Auf dem Platz steht außerdem eine markante barocke Mariensäule aus dem Jahr 1770, geschaffen vom Pardubitzer Bildhauer Jakub Teplý. Sie ist mit Heiligenfiguren und Engelchen geschmückt, und auf ihrer Spitze steht die Jungfrau Maria.
Markt und Mariensäule auf dem Platz
Halt im Informationszentrum
Ganz in der Nähe des Platzes entdeckten wir das Touristeninformationszentrum. Wenn ich eine neue Stadt besuche, halte ich dort gern an. Nicht nur wegen der Informationen, sondern auch, weil ich von manchen Orten Kühlschrankmagnete mitbringe. Natürlich habe ich mir auch hier einen ausgesucht. Mit der Dame im Infozentrum haben wir uns zudem eine Weile unterhalten, und nicht nur darüber, wohin wir in Ledeč gehen sollten.
Ledeč nad Sázavou und ein Stück seiner Geschichte
Ledeč nad Sázavou liegt in der Region Vysočina, im Bezirk Havlíčkův Brod. Die Stadt erstreckt sich im Tal der Sázava, und ihre auffälligste Dominante ist zweifellos die Burg auf dem Felssporn. Die Geschichte von Ledeč reicht bis ins Mittelalter zurück. Die ersten schriftlichen Belege für eine Besiedlung stammen bereits vom Ende des 12. Jahrhunderts.
Die Stadt entwickelte sich allmählich um den Fluss, die Handelswege und die Burg herum, die eine wichtige Verteidigungsfunktion hatte. Im Lauf der Jahrhunderte lösten sich hier mehrere Adelsgeschlechter ab, und ihr Wirken prägte das Aussehen der Stadt und der Burg selbst. Das historische Zentrum von Ledeč ist seit 2003 städtische Denkmalzone. Neben der Burg und der Kirche St. Peter und Paul verdienen auch die historischen Häuser im Zentrum, die Mariensäule oder die hiesigen jüdischen Denkmäler Beachtung.
Historische Häuser im Zentrum von Ledeč
Mittagessen im Pod Hradem
Nach dem Besuch im Informationszentrum machten wir uns auf den Weg zur Burg. Es war schon Mittagszeit, und wir überlegten, wo wir essen könnten. Am Ende wählten wir ein Restaurant direkt unter der Burg mit dem Namen Restaurace, penzion a vinárna Pod Hradem (Restaurant, Pension und Weinlokal). Und wir haben gut gewählt. Das Essen hat uns sehr gut geschmeckt und die Portionen waren wirklich riesig. So groß, dass man auf keinen Fall hungrig geht. 🙂
Wenn ihr also in Ledeč nad Sázavou einen Ort für ein gutes Mittagessen sucht, kann ich dieses Restaurant von uns aus empfehlen.
Restaurant, Pension und Weinlokal Pod Hradem
Burg Ledeč nad Sázavou
Nach dem Mittagessen gingen wir weiter zur Burg, die uns schon bei der Einfahrt in die Stadt aufgefallen war. Die Burg Ledeč nad Sázavou gehört zu den ältesten Adelsburgen in Böhmen. Ihre Anfänge reichen in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück. Die ursprünglich gotische Burg wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, und so verbinden sich an ihr heute gotische, Renaissance- und Barockelemente. Interessant ist auch ihre Lage. Sie steht auf einem hohen Felssporn über dem Fluss und wirkt daher, vom Wasser aus betrachtet, wirklich mächtig. Zur Burg gehört auch ein 32 Meter hoher Turm, zu dem 111 Stufen hinaufführen. Von seiner Spitze eröffnet sich den Besuchern ein Blick auf die Stadt und die umliegende Landschaft.
Wir hatten allerdings Pech. Es war Freitag, und die Burg war an diesem Tag für Besucher schon geschlossen. Im Oktober ist sie normalerweise vor allem am Wochenende geöffnet. So spazierten wir wenigstens um die Burg herum, sahen uns ihre mächtigen Mauern an und machten ein paar Fotos. Auch von außen gibt es aber einiges zu sehen. Besonders beim Blick von der Straße unter der Burg sieht man erst, wie hoch über einem die Burg eigentlich steht.
Die Burg von Ledeč und der Blick von der Burg auf die Stadt
Jaroslav-Foglar-Museum – ein Ort, an den ich zurückkehren möchte
Auf der Burg von Ledeč befindet sich auch das Jaroslav-Foglar-Museum. Und genau dieses Museum würde ich mir sehr gern ansehen. Die Bücher von Jaroslav Foglar habe ich nämlich schon als Kind gelesen und erinnere mich bis heute an sie. Seine Geschichten voller Abenteuer, Freundschaft und geheimnisvoller Orte haben mir damals wirklich Spaß gemacht. Das Museum ist dem Leben und Werk dieses bekannten tschechischen Schriftstellers gewidmet.
Die Besucher können hier zum Beispiel eine Umgebung sehen, die an die geheimnisvollen Stínadla erinnert, die Rychlé šípy (Schnellen Pfeile) in Lebensgröße, den Clubraum der Jungs vom Biberfluss oder die Knobelsammlung Ježek v kleci (Igel im Käfig). Interessant ist auch die Verbindung Jaroslav Foglars mit dieser Gegend. Unweit von Ledeč liegt die Sluneční zátoka (Sonnenbucht), wo Foglar Zeltlager für seine Jungs veranstaltete. Diesmal war das Museum für uns geschlossen, aber wenigstens haben wir einen weiteren Grund, wieder nach Ledeč zu kommen. Und ich denke, ein Besuch dieses Museums könnte nicht nur für Kinder interessant sein, sondern auch für Erwachsene, die mit Foglars Büchern aufgewachsen sind.
Spaziergang an der Sázava und zur Kirche St. Peter und Paul
Von der Burg gingen wir weiter in Richtung Fluss. Gerade der Spaziergang an der Sázava gehörte zu den schönsten Teilen unseres Besuchs. Der Fluss war ziemlich ruhig, und auf seiner Oberfläche spiegelten sich wunderbar die umliegenden Häuser, die Kirche und die Burg. Wir blieben immer wieder stehen, fotografierten und genossen das sonnige Herbstwetter. Wir kamen auch am Wehr vorbei. Wie uns die Dame im Infozentrum schon vorher gesagt hatte, war wenig Wasser im Fluss. Dabei herrscht gerade in diesem Teil des Posázaví bei geeignetem Wasserstand reger Betrieb von Wassersportlern.
Uns bot der Fluss diesmal allerdings etwas anderes – schöne Ausblicke auf die Stadt und ihre historischen Denkmäler. Beim Spaziergang am Fluss fiel uns noch etwas auf. An der Straße stand ein Verkehrsschild, das vor der Gefahr warnt, dass ein Auto ins Wasser stürzt. So ein Schild hatten wir, mein Mann und ich, wohl noch nie gesehen. 🙂
Herbstlicher Spaziergang am Fluss Sázava
Allmählich gelangten wir auch zur Kirche St. Peter und Paul, die man an ihrem hohen, schlanken Turm erkennt. Erst später fand ich heraus, dass der Turm samt Kreuz 64 Meter misst und seine Errichtung bereits 1535 abgeschlossen war. Die erste schriftliche Erwähnung der Kirche St. Peter und Paul stammt aber schon aus dem Jahr 1350. Eine Besonderheit ist ihr spätgotisches Gewölbe, dessen Rippen aus gebranntem Töpferton gefertigt wurden. Gerade diese ungewöhnliche Ausführung gilt als europäisches Unikat.
Von der anderen Flussseite bietet sich ein wirklich schöner Blick auf die Kirche. Ihr Turm spiegelt sich auf der Wasserfläche und bildet zusammen mit den umliegenden Häusern eine der schönsten Szenerien der Stadt.
Die Kirche St. Peter und Paul in Ledeč nad Sázavou
Wie hat uns Ledeč nad Sázavou gefallen?
Ich muss sagen, dass mich Ledeč nad Sázavou angenehm überrascht hat. Ursprünglich hatten wir gar nicht vorgehabt, hierher zu fahren. Wir wollten nur Walnüsse kaufen, und am Ende haben wir eine Stadt mit einer schönen Burg, einem historischen Zentrum und einem angenehmen Spaziergang am Fluss entdeckt.
Und ich möchte auf jeden Fall noch einmal wiederkommen. Diesmal am liebsten dann, wenn sowohl die Burg als auch das Jaroslav-Foglar-Museum geöffnet sind.
Wenn ihr also irgendwann an Ledeč nad Sázavou vorbeikommt, haltet doch hier an. Vielleicht überrascht euch die Stadt genauso angenehm wie uns. 🙂
Gut zu wissen
Wo liegt Ledeč nad Sázavou?
Ledeč nad Sázavou liegt in der Region Vysočina, im Bezirk Havlíčkův Brod. Durch die Stadt fließt der Fluss Sázava.
Was kann man in Ledeč nad Sázavou sehen?
Zu den interessantesten Orten gehören die Burg von Ledeč, das Jaroslav-Foglar-Museum, die Kirche St. Peter und Paul, der Hus-Platz mit der Mariensäule und ein Spaziergang am Fluss Sázava.
Wo kann man in Ledeč nad Sázavou parken?
Wir haben direkt auf dem Hus-Platz gegenüber dem Gymnasium geparkt. Zur Zeit unseres Besuchs kostete die erste Stunde 5 CZK und jede weitere 10 CZK. Die aktuellen Preise sollte man vor Ort prüfen.
Ist die Burg Ledeč nad Sázavou für die Öffentlichkeit zugänglich?
Ja, aber die Öffnungszeiten hängen von der Saison ab. In der Hauptsaison ist an mehr Tagen in der Woche geöffnet, im Herbst ist der Betrieb eingeschränkt. Vor dem Besuch empfehle ich, die aktuellen Informationen auf der offiziellen Website der Burg zu prüfen.
Wo befindet sich das Jaroslav-Foglar-Museum?
Das Museum befindet sich direkt im Areal der Burg Ledeč nad Sázavou. Die Ausstellung stellt das Leben des Schriftstellers, seine Bücher, die Rychlé šípy (Schnellen Pfeile) und die bekannten Knobelspiele vor.
Kann man in Ledeč auf der Sázava Boot fahren?
Ja, Ledeč nad Sázavou gehört zu den Orten, von denen aus Wassersportler auf die Sázava starten. Ob der Fluss befahrbar ist, hängt allerdings vom aktuellen Wasserstand ab.
Wo kann man in Ledeč nad Sázavou gut essen?
Wir waren im Restaurant, Pension und Weinlokal Pod Hradem am Heroldovo nábřeží. Das Essen hat uns sehr gut geschmeckt und die Portionen waren wirklich riesig.